Wohnungskatzen vs. Freigänger - Welche Unterschiede sind bei der Ernährung zu beachten

WOHNUNGSKATZEN VS. FREIGÄNGER

WELCHE UNTERSCHIEDE SIND BEI DER ERNÄHRUNG ZU BEACHTEN

von Sain Abedin - 25. Jun 2020

Die Katze sorgt, als beliebtestes Haustier in Deutschland, immer wieder zu hitzigem Meinungsaustausch unter den Besitzern. Welche Katze lebt artgerechter, welche lebt besser? Kaum ein anderer Bereich der Katzenhaltung sorgt für so große Meinungsverschiedenheiten. Dabei können sich alle Katzenhalter bei einem Thema einig sein: Der Ernährung ihrer Samtpfoten. Denn egal, ob Freigänger oder Wohnungskatze, eine gesunde, der Haltung angepasste und artgerechte Ernährung sind das A und O und unerlässlich für eine gesunde Fellnase. Mehr im Artikel.

Warum Freigänger und Stubentiger unterschiedlich füttern?

Auch wenn unsere samtpfötigen Freunde den Großteil Ihres Lebens verschlafen, möchten sie doch in ihren Wachzeiten ausgelastet werden. Wir müssen ihnen dazu nicht immer einen Freigang ermöglichen, denn auch in der Wohnung oder im Haus ist eine sinnvolle Beschäftigung möglich.

Natürlich ist es für unsere Samtpfoten dort nicht möglich, Mäuse oder Vögel zu jagen oder ihnen aufzulauern. Kämpfe, Streitigkeiten, gemeinsames Spielen oder Balgereien mit den Nachbarskatzen gibt es dementsprechend auch eher selten bis nie. Aber auch Spielzeuge, die die Intelligenz fördern, gemeinsames Balgen und Spielen mit uns Menschen, Katzenhäuschen, Kletterbäume, Katzentunnel oder -höhlen können unseren Wohnungskatzen Abwechslung, Unterhaltung und Beschäftigung bieten. Und trotzdem bewegt sich alles in allem eine reine Wohnungskatze wesentlich weniger, als eine Katze mit regelmäßigem Freigang, schon alleine weil sie ihr Revier nicht verteidigen muss und die Möglichkeiten zum kilometerlangen Streunen in einer Wohnung oder einem Haus begrenzt sind. So verbringt sie also wesentlich mehr Zeit damit, sich zu putzen oder auszuruhen.

Da sie sich nicht im Freien bewegen, haben Wohnungskatzen einen sehr viel geringeren Kalorienbedarf als Freigänger. Sie fressen meist deutlich mehr, dafür fällt das Jagen jedoch vollständig weg. Gerade deswegen müssen wir Menschen auf eine artgerechte Ernährung, die speziell auf die Bedürfnisse unserer Samtpfoten abgestimmt ist, achten. Das gesunde Mittelmaß bei der Fütterung einer Freigangkatze zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Viele Menschen glauben sogar, es sei überhaupt nicht notwendig, ihrer freilaufenden Katze Futter zur Verfügung zu stellen, da sie davon ausgehen, dass sie selber für ihre Ernährung sorgt. Natürlich jagen und fressen unsere freilaufenden Samtpfoten auch Mäuse oder Vögel, vielleicht lassen sie sich auch beim Nachbarn durchfüttern oder plündern fremde Futternäpfe, aber sie brauchen auch wesentlich mehr Energie als reine Stubentiger.

Katzen und die Flüssigkeitszufuhr

Hauskatzen, sowohl im Freigang, als auch jene, die nur im Haus gehalten werden, trinken relativ wenig. Den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfes nehmen sie über ihr Futter auf. Gerade aus diesem Grunde sollte die verfütterte Nahrung mindestens über einen Feuchtigkeitsgehalt von etwa 70 % verfügen. Bereitet man seinem Liebling das Futter selber zu, kann man entweder Wasser verwenden oder aber Brühen und Fonds jeglicher Art. Hierbei sollten jedoch grundsätzlich selbst gekochte ohne Salze und Gewürze verwendet werden. Ob Rind, Fisch oder Huhn, hier wird sich der Stubentiger über jede Geschmacksrichtung freuen.

Meine Katze darf raus, was frisst sie eigentlich im Freigang?

Prinzipiell fressen Katzen mit Freigang und Wohnungskatzen das Gleiche. Durch ihre Aktivität und Bewegung haben Freigänger allerdings fast immer einen höheren Kalorienverbrauch als ihre Artgenossen, die ausschließlich im Haus gehalten werden. Alleine dadurch, dass sie draußen den verschiedensten Krankheitserregern ausgesetzt sind, benötigen sie jedoch ein starkes und intaktes Immunsystem und somit auch ausreichend gesunde Nährstoffe. Hier sollte man bei Futterkauf auf hohen Protein- und auch Fleischanteil achten, also eher zu einem hochwertigen Futter greifen.

Wie oft sollte man seine freilaufende Katze füttern?

Es macht Sinn, seinen Freigänger an geregelte Fütterungszeiten zu gewöhnen. Durch die perfekte innere Uhr der Samtpfoten ist dieses relativ einfach. Wenn noch hochwertiges, proteinreiches Futter bereitgestellt wird, minimiert man so auch die Möglichkeit, dass die Katze noch woanders z. B. bei den Nachbarn frisst. Der Liebling weiß ja, dass er Zuhause leckeres und gutes Futter bekommt. Zwei, maximal drei Mahlzeiten sind in der Regel für ausgewachsene Katzen genug, während jüngere Katzen besser öfter, dafür mit kleineren Portionen gefüttert werden sollten. Im Gegensatz zu Hunden, die über kein Sättigungsgefühl verfügen, können unsere samtigen Begleiter sehr gut einschätzen, wann sie genug gefressen haben. Sollten sie mal nicht das komplette Futter zu sich genommen haben, kann man dieses abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren. Man sollte aber bedenken, es etwa eine halbe Stunde vor der nächsten Fütterung aus dem Kühlschrank zu nehmen.

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Was tun, wenn sich die freilaufende Katze

am Futter der Nachbarn bedient?

Es ist nicht verboten, fremde Katzen zu füttern, aber man sollte immer gut überlegen, ob man dies macht oder besser vermeidet. Wenn die Katze gesund und wohlgenährt erscheint, mit glänzendem Fell und klaren Augen, scheint sie ein Zuhause zu haben, in dem sie liebevoll umsorgt wird. Sie wird also bestimmt keine zusätzliche Futterration benötigen. Außerdem weiß man nie, ob die fremde Katze vielleicht Spezialfutter benötigt oder Allergien oder Unverträglichkeiten hat.

Was, wenn ein Freigänger bei mir um Futter bettelt?

Es liegt in der Natur der Tiere, dass sie auch mal unterwegs in „fremde Töpfe schauen“ und sich dort bedienen. Solange sie dadurch nicht übermäßig zunimmt und das fremde Futter verträgt ist dies auch kein Problem. Wenn die eigene Katze jedoch Spezialfutter benötigt oder man die fremde Beköstigung generell nicht wünscht, empfiehlt es sich ein Gespräch mit den Nachbarn zu führen.

Was macht nun die optimale Ernährung aus?

Auch wenn im Laufe der Jahrtausende die Katze immer weiter domestiziert wurde, hat sich doch an ihrem Verdauungssystem kaum etwas verändert. Aus diesem Grunde sollte das täglich zur Verfügung gestellte Futter ungefähr so zusammengesetzt sein, wie das ihrer wilden Verwandten oder Vorfahren. Die von uns domestizierte Katze kann von alleine die Aktivität bestimmter Verdauungsenzyme nicht drosseln. Das bedeutet, dass die körpereigenen Reserven abgebaut werden, wenn dem Körper zu wenige Proteine zugeführt werden. Somit sind unsere Samtpfoten zwingend auf tierisches Eiweiß in ihrer Nahrung angewiesen.

So sollte man dringend darauf achten, dass man seinem Liebling tierisches Eiweiß verfüttert, wie es in Fisch, Fleisch, Innereien und in geringen Mengen auch in Milchprodukten und Eiern vorhanden ist. Im Grunde genommen brauchen erwachsene Katzen keine Kohlenhydrate, sofern ausreichend Proteine mit dem Futter angeboten werden. Da unsere Hauskatze generell ein Wildtier ist, was gerade die Ernährung betrifft, kann man sie auch nicht unbedingt mit Reis oder Getreiden „hinter dem Ofen hervorlocken“. Manche Samtpfoten nehmen jedoch gerne Kartoffeln, Mais oder auch Nudeln als zusätzliches Futter an. Pflanzliche Fette und Öle werden weniger gut von Hauskatzen verwertet, als die tierischen, wie z. B. Fischöl oder Schmalz. Daher sollten letztere immer bevorzugt werden, zumal sie die Akzeptanz des Katzenfutters erhöhen.

Wenn du es mit der Ernährung deiner Fellrakete ganz genau wissen möchtest, schau doch mal auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes vorbei.

Kann ich meine Katze auch pflanzlich ernähren?

Viele vegetarische oder vegane Katzenhalter wünschen sich, ihre Lieblinge ebenso ernähren zu können.

Es gibt in der Tat einige pflanzliche Gerichte, die unsere Samtpfoten gerne zu sich nehmen, jedoch ist die reine vegane Fütterung aus Tierschutzsicht bei Katzen prinzipiell abzulehnen, da sie in keiner Weise den ernährungsphysiologischen Grundbedürfnissen einer Katze entspricht. Es gibt verschiedene klinische Studien, die bei vegan ernährten Katzen erhebliche Mangelerscheinungen nachgewiesen haben. Allein deswegen ist nicht auszuschließen, dass bei der Katze Schmerzen und Schäden durch eine rein vegane Fütterung auftreten. Dieses würde somit definitiv ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bedeuten.

Welches Futter für meine Wohnungskatze?

Bei der Futterauswahl spielt es erstmal keine Rolle, ob die Katze als Freigänger oder reine Wohnungskatze gehalten wird. Die Zusammensetzung des Futters ist immer dieselbe, nicht aber die Menge. Gerade die reine Wohnungskatze sollte, bedingt durch weniger Bewegung, eine geringere Kalorienmenge zu sich nehmen, als ihre freilaufenden Artgenossen. Manchmal macht es Sinn, einfach weniger zu füttern, was aber nur die halbe Wahrheit ist, da Vitamine und Nährstoffe genauso benötigt werden, wie beim Freigänger. Wenn die Wohnungskatze, mangels Bewegung, einige Gramm zugelegt hat, sollte man sie nicht radikal auf Diät setzen, da sie sehr empfindlich auf diese Art Nahrungsentzug und radikalen Fettabbau reagieren. So kann es zu einer, manchmal lebensgefährlichen Hepatischen Lipidose (Fettleber) kommen.

Was ist also die wirklich perfekte Nahrung für unsere Samtpfoten? Klar, in freier Wildbahn jagen und verspeisen sie, Vögel, Eidechsen, Insekten, Spinnen, manchmal auch Lurche oder Ratten, aber die perfekte und natürlichste Mahlzeit ist und bleibt… …die Maus. Sie sind die bevorzugten Beutetiere unserer vierbeinigen Freunde, weil sie über die komplette Zusammensetzung für die optimale Nähstoffversorgung verfügt: Sie hat einen, mit fast 62 %, sehr hohen Wasseranteil, etwa 19 % Eiweiße, gute 11 % Fette, etwa 4,3 % Mineralstoffe und einen geringen Anteil von ca. 3,7 % an Kohlenhydraten. Diese befinden sich sogar noch im Magen-Darm-Inhalt der Beutetiere. Nun kommt es relativ selten bis gar nicht vor, dass man sich zur Ernährung seiner Stubentiger eine komplette Mäusezucht halten kann oder möchte. Dennoch sollte man darauf achten, dass das Futter für die Samtpfoten annähernd die Zusammensetzung einer Maus enthält und so die optimale Nahrung darstellt. Warum also das Futter nicht selber herstellen? Zumal höchstens unsere Freigänger-Katzen noch in den original Genuss kommen können?

Unser Rezeptvorschlag "á la Maus"

Damit nicht nur die Freigänger unter unseren samtpfötigen Freunden, sondern auch ihre im Haus gehaltenen Genossen, öfter in den Genuss des „Mausgeschmackes“ kommen, kann man diesen gesund und mit den richtigen Zutaten selber kochen. Besonders aufwendig oder schwer ist das nicht einmal. Unser Tipp:

Hierfür benötigt man (für 2 Stubentiger)

  • 200 g Hühnerherzen

  • 100 g frisches Rinderhackfleisch

  • 1 Karotte

  • 2 EL weichgekochte, gestampfte Kartoffeln

  • 1 TL Fischöl oder Schmalz

  • ½ TL zerriebene Eierschale

  • 1,5 g Mineralfutter (extra Nährstofflieferant - nicht zwingend notwendig)

  • 4-6 EL selbst gemachte Brühe (ohne Gewürze oder Salz)

Zuerst schneidet man die Hühnerherzen in kleine Stücke. Es gibt Katzen, die mögen keine Stücke, hier empfiehlt es sich, die Hühnerherzen zu pürieren. Dieses Hühnerklein (oder –pürée) mit dem frischen Rinderhackfleisch zusammenmischen. Zum Schluss das Fett, die zerriebene Eierschale und das Mineralfutter untermischen und je nach Konsistenz mehr oder weniger Brühe hinzufügen.

Im Idealfall wird da Futter direkt an die Stubentiger verfüttert. Es kann natürlich auch abgedeckt im Kühlschrank aufbewahrt werden, hier ist aber darauf zu achten, dass es ca. 30 Minuten vor dem Füttern entnommen wird. Am besten aber verfüttert man das Futter noch am selben Tag.

Dem experimentierfreudigen Koch sind fürs kulinarische Verwöhnen seiner Stubentiger, unter Beachtung einiger Regeln, natürlich keine Grenzen gesetzt.

Unser Fazit

Abschließend kann man sagen, dass es in erster Linie eine Frage der Menge ist, wenn es darum geht wie sich Freigänger und Stubenkatzen unterscheiden.

Wer sich bei der Ernährung aber besonders Mühe geben möchte, der kann seinen Mietzen auch einfach mal ein schönes Gericht kochen - die Mühe zahlt sich aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Samtpfote Freigänger oder Wohnungskatze ist. Der fellige Liebling dankt es uns mit Gesundheit, Agilität und einem langen Leben - also schwingt die Kochlöffel! :-)