Katzenhaltung und Vollzeitjob – Finde heraus, wie du beides vereinbaren kannst

Katzenhaltung und Vollzeitjob

Finde heraus, wie du beides vereinbaren kannst

von Sain Abedin - 25. Jun 2020

Als Katzenmama oder –papa kennst du mit Sicherheit folgendes Szenario: Völlig erschöpft kommst du nach einem langen und echt anstrengenden Arbeits- oder Unitag nach Hause und willst eigentlich nichts mehr sehen und hören. Doch bereits an der Tür wirst du freudig schnurrend von deinen samtpfotigen Lieblingen begrüßt. Sie schlawenzeln um deine Beine und jede Faser ihres Körpers scheint zu sagen: Schön, dass du endlich da bist! Sofort fällt der Stress von dir ab und augenblicklich geht es dir besser.

Manch eine/r von uns hat sich dann gefragt: "Ist es okay für die Beiden, dass ich sie acht Stunden und länger allein lasse oder leiden sie unter der langen Trennung? Können meine Katzen – trotz der Tatsache, dass ich Vollzeit arbeite – ein glückliches Katzenleben führen oder schließt sich das grundlegend aus? Gibt es Möglichkeiten, ihnen die Zeit der Trennung irgendwie angenehmer zu gestalten?"; im folgenden Artikel erfährst du alles darüber, ob und wie du Katzenhaltung und Vollzeitjob vereinbaren kannst.

Das Problem

Auch wenn du deine vier Wände mit Katzen teilst, musst du für deinen Lebensunterhalt sorgen. Keine Frage! Aber natürlich willst du auch dafür sorgen, dass deine Katzen ein gesundes und glückliches Leben führen können. Nun bist du viele Stunden am Tag nicht zuhause und die Sorge, dass dies zu Verhaltensproblemen führen kann ist nicht ganz unbegründet. Wer hat nicht schon von Katzen gehört, die „plötzlich“ durch aggressives Verhalten, Unsauberkeit oder Zerstörungswut auffallen, die Tapeten von den Wänden kratzen oder das Sofa zur Katzentoilette umfunktionieren. Dies kann durchaus ein Hinweis darauf sein, dass dem Stubentiger Aufmerksamkeit und Zuwendung fehlen und dass er das tägliche mehrstündige Alleinsein tatsächlich nicht gut verkraftet. Aber keine Sorge, mit ein paar einfachen Tricks musst du nicht darauf verzichten, dass richtig viel (Katzen)Leben in der Bude ist, wenn du von der Arbeit nach Hause kommst.

Katzen sind keine Einzelgänger

Auch wenn sich dieser Mythos ungefähr so hartnäckig hält wie der, dass dunkle Schokolade nicht dick macht (ja, sorry, das stimmt nun mal nicht…): Katzen sind keine Einzelgänger. Vielleicht wird dieser Irrglaube dadurch befeuert, dass man die Fellnasen draußen immer allein rumstromern sieht, aber genau da liegt der sprichwörtliche Hase im Pfeffer. Katzen jagen zwar allein, jedoch brauchen sie den Kontakt zu ihren Artgenossen für gemeinsames Schmusen, Spielen und Raufen (>> weitere Infos hierzu findet ihr hier <<). Das heißt, dass du auf jeden Fall mindestens zwei fellnasige Mitbewohner haben solltest – und das unabhängig davon, wie viel oder wenig du außer Haus bist. Wenn das Casting für deine neue WG noch nicht abgeschlossen ist und du noch passende Mitbewohner suchst, wäre ein Besuch des örtlichen Tierheims oder der Webseiten von Tierschutzbund oder Tierheimhelden ratsam. Informiere dich am besten auch über ältere Katzen. Neben der Tatsache, dass du damit zweifelsohne was richtig Gutes tust, hat das auch für dich als Berufstätigen riesige Vorteile. Ältere Katzen sind viel ruhiger als die jungen Raufbolde. Die meisten Stubentiger im gesetzten Alter schätzen die menschenfreien Stunden, in denen sie dösen können und sich nicht um dich und deinen Spieltrieb kümmern müssen. Auch wenn es schwer fällt, weil die Kitten einfach so unfassbar drollig sind: Wenn du viele Stunden außer Haus bist, weil du arbeitest, zur Uni gehst oder viel feiern bist – lass bitte die Finger von Katzenbabys! Die Kleinen brauchen extra viel Zuneigung und Aufmerksamkeit, müssen zu Beginn etwa fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen und brauchen ihre Ersatzeltern rund um die Uhr. Stell dir mal vor, dein Kollege würde dir erzählen, dass er seinen sechs Monate alten Säugling jetzt tagsüber mal für ein paar Stündchen allein zuhause lässt, weil er arbeiten muss. Geht nicht, oder?

Hilfe zur Selbsthilfe - Beschäftigungsmöglichkeiten während der Abwesenheit

Katzen sind Abenteurer, sie wollen was erleben und – wenn sie gerade mal nicht vor sich hin dösen – die Welt entdecken. Jeden Tag aufs Neue! Die Räuber brauchen Beschäftigung. Langeweile sollte von dir mit allen Mitteln der Kunst aus dem kätzischen Alltag vertrieben werden und das ist mit ein bisschen Einfallsreichtum problemlos auch ohne deine Anwesenheit möglich. Wie wäre es zum Beispiel, wenn du deine Katzen "fernsehen" lässt? Also wirklich in die Ferne sehen lässt? Katzen lieben es aus dem Fenster in die weite Welt zu schauen. Wenn du ihnen beispielsweise mit erhöhten Plattformen in Fensternähe oder einer Fensterliege die Möglichkeit schaffst, Katzenfernsehen zu schauen, werden sie es dir danken. Auch solltest du für abwechslungsreiche Spielzeuge und anregende Beschäftigungsmöglichkeiten sorgen. Bälle, Höhlen, Spielhäuser, Katzenspielzeuge verschiedenster Couleur werden sie mit Sicherheit nicht verschmähen. Wenn du dann noch kleine Belohnungen in Form von Leckerlis auslegst oder gar Möglichkeiten schaffst, dass sich der Tiger seine Beute durch das geschickte Lösen von Problemen verdienen muss, sind die Hundstage auf jeden Fall vorbei. Eine sehr gute Variante stellt dabei das Fummelbrett dar, das du auch ganz einfach selbst herstellen kannst. Eine Anleitung dazu findest du >> hier <<. Achte aber bitte bei all den tollen Ideen und Beschäftigungsmöglichkeiten immer darauf, dass deine Katzen sich dadurch nicht in Gefahr bringen können. Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein Spielzeug tatsächlich für deine Mieze geeignet ist, verfahre lieber nach dem Motto: Safety first.

Auch ein goldener Käfig ist ein Käfig - Freigang den Katzen!

Neben all den genannten Beschäftigungsmöglichkeiten, ist der altbewährte Freigang immernoch die beste Form der Selbstbeschäftigung für Katzen. Wenn du die Möglichkeit siehst deinem Stubentiger Freigang zu gewähren, dann lass ihn frei. Denn dann kann er seine Abenteuer, seine Tagestouren und seine Welteroberung während deiner Arbeitszeit selbst organisieren. Er kann die Gegend erkunden, Mäuse jagen, Kontakte zu den Nachbarskatzen knüpfen, sein Näschen in den Wind halten und sich das Fell von der Sonne wärmen lassen. Herrlich! Vielleicht hast du aber auch einen Balkon, den du so sichern kannst, dass deine Katzen ihn während deiner Abwesenheit gefahrlos nutzen können. Dann bräuchtest du noch eine Katzenklappe für Innentüren und schon können die Fellfreunde täglich Urlaub auf Balkonien machen. Egal wie frei du den Freigang gestalten kannst, schalte vorher potenzielle Gefahrenquellen aus (auch hierzu gibt es einen Artikel von uns).

Mache deine Wohnung katzenfest

Nenne es wie du willst – Katzentheater, Katzenzirkus oder Katzenvarieté – die Hauptsache ist, dass du die Funktion des Bühnenbildners für deine Wohnung übernimmst und bei der katzengerechten Ausstattung Regie führst, damit die Miezen in deiner Abwesenheit genügend Beschäftigung und Bewegungsfreiheit haben, aber auch gefahrenfrei die sturmfreie Bude in Beschlag nehmen können. Mit Brettern, die für deine Katze die Welt bedeuten, kannst du Laufstege (ja, einen Catwalk), Kletterstufen, Wandliegen und sogar Hängebrücken bauen und somit für ein Extra an Kletter- und Bewegungsmöglichkeiten sorgen. Bedenke dabei, dass jedes Plätzchen in der Höhe eine Erweiterung des begrenzten Reviers darstellt. Wenn du richtig groß denkst, nenne das Ganze vielleicht Kletterwald oder Erlebnispark – dann hast du nach Meinung deiner Räuber bestimmt ungefähr die richtigen Dimensionen im Kopf. Aber auch Kratzbäume sind tolle Kletter-, Kratz- und Sprunghilfen. Möglicherweise kannst du ja verschiedene Varianten miteinander kombinieren, schließlich musst du deine Ideen an den dir zur Verfügung stehenden Platz anpassen. Tatsächlich ist die Erweiterung des Reviers in die Höhe jedoch eine schöne Möglichkeit, den Katzen auch in kleineren Wohnungen mehr Platz zur Verfügung zu stellen. Damit aber noch nicht genug der Ausstattung für deinen Katzenzirkus: Wenn du den Tigern morgens, bevor du zur Arbeit gehst, einen oder gleich mehrere Kartons hinstellst, werden sie den halben Tag damit beschäftigt sein, diese Kuriositäten zu inspizieren. Wenn sie damit fertig sind, dienen ihnen Kartons als prima Versteckmöglichkeit. Vielleicht hast du ja noch weitere Ideen, wie du ein paar Verstecke in deine Wohnung zaubern kannst. Sei dir darüber im Klaren, dass deine Katzen die sturmfreie Bude definitiv auch dazu nutzen werden, um Orte zu erkunden, die sie eigentlich nicht betreten sollen. Daher solltest du es zu deiner täglichen Routine machen, morgens nochmal zu checken ob du auch alle Gefahrenquellen beseitigt hast: Liegt das Messer vom Frühstück noch auf der Küchenzeile? Ist noch heißes Wasser im Wasserkocher? Ist die Tür der Waschmaschine fest verschlossen? Habe ich alles Zerbrechliche aus dem Weg geräumt? Sind die Fenster geschlossen? Überlege dir, welche Gefahrenquellen es in deiner Wohnung gibt und eliminiere diese nach Möglichkeit so, dass du keine Räume zusperren musst. Ein paar hilfreiche Anhaltspunkte zum Thema katzensichere Wohnung findest du bei Tasso.

Beziehungen brauchen Pflege - auch zu Fellnasen

Wo wir gerade von der täglichen Routine sprachen, fügen wir gleich noch eine zweite hinzu, die diesmal den Abend betrifft. Schließlich sind auch deine Kätzchen Gewohnheitstiere. Wenn du nach Hause kommst, sollte deine Aufmerksamkeit erst mal für eine ganze Weile den Katzen gehören. Zeig ihnen, dass du dich nach dem langen und harten Tag freust, dass sie da sind und auch deine Welt jetzt wieder in Ordnung ist. Sie brauchen deine Zuwendung, wollen ausgiebig begrüßt, gestreichelt und bekuschelt werden und gemeinsam mit dir spielen. Wenn ich hier von Routine spreche, meine ich nicht, dass du einen minutiösen Plan brauchst, wann gekuschelt und wann gespielt wird. Allerdings solltest du dir schon ungefähr überlegen, welcher Zeitraum wirklich für die Katzen reserviert ist. Sonst passiert es nämlich schnell mal, dass man „nur mal kurz noch“ die beste Freundin anruft oder irgendeine Hausarbeit erledigt oder noch ein paar Mails schreibt. Und jeder von uns weiß ja, wie lange „nur mal kurz“ oft ist…

Fazit

Katzenhaltung und Vollzeitjob schließen einander nicht grundlegend aus, wenn man im Sinne der Katzen sowohl die Zeit, die sie allein sind, als auch die Zeit, die man gemeinsam zur Verfügung hat, verantwortungsbewusst gestaltet. Katzen müssen nicht Rund um die Uhr betüddelt werden, nichtsdestotrotz brauchen sie die Nähe eines Artgenossen, Abwechslung, Beschäftigung und deine Zuwendung. Sie brauchen deinen umsichtigen Blick und dein vorausschauendes Denken, weil sie auf dich angewiesen sind. Jeden Morgen, bevor du gehst, überlegst du was deine Katzen für den Tag brauchen und was ihnen gefährlich werden könnte.

Für die Perfektionisten unter euch noch ein letzter Tipp: Überlegt doch bei Gelegenheit mal, wie ihr für besondere Umstände vorsorgen könnt bzw. welche Optionen du hättest, wenn deine Katze beispielsweise krank wird und dringend zum Tierarzt muss. Oder wenn du plötzlich Überstunden schieben oder auf Geschäftsreise fahren musst. Weil es einfach oft anders kommt als man denkt.

PS: Unser Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dennoch versuchen wir möglichst umfassend zu informieren. Wenn Du also das Gefühl hast, wir haben etwas wichtiges vergessen, kontaktiere uns doch einfach unter info@pfotenolymp.de und teile uns deine Anregungen mit! Wir freuen uns über jeden Unterstützer im Team Katze! 🐾

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