Einzelhaltung oder Mehrfachhaltung von Katzen : Die größten Mythen auf dem Prüfstand

Einzel- oder Mehrfachhaltung von Katzen

5 Mythen auf dem Prüfstand

von Sain Abedin - 25. Jun 2020

Ein Großteil der Katzenhalter und vielleicht auch du, hält ihren Vierbeiner als Einzeltier. Katzen sind sich, im Gegensatz zu Hunden, vermeintlich selbst genug. Doch ist das wirklich so? Wie bei den meisten Fragen rund um die Artgerechtheit, scheiden sich die Geister auch bei dieser. Wir haben für euch recherchiert und möchten ein paar Mythen, die sich um dieses Thema ranken, entschleiern. In folgendem Artikel fühlen wir 5 gängigen Mythen rumd ums Thema Einzel- vs. Mehrfachhaltung von Katzen auf den Zahn.

Mythos 1: Katzen sind strikte Einzelgänger

Tatsächlich sind viele Wildkatzenarten, z. B. der Serval oder der Ozelot, reine Einzelgänger. Auch die Falbkatze, also die direkte Vorfahrin unserer Stubentiger, ist fast immer alleine unterwegs. Domestizierte Katzen haben zwar noch immer viel mit ihren Ahnen gemein, aber heutzutage leben sie ganz anders als die Katzen in freier Wildbahn. Beispielsweise lieben sie die Schmusestunden mit Menschen, was man von ihren „wilden“ Artgenossen nicht behaupten kann. Dennoch können Besitzer ihnen den Umgang mit anderen Katzen nicht ersetzen. Seinen Vierbeinern solche sozialen Kontakte zu ermöglichen gehört praktisch zu den Grundlagen einer artgerechten Haltung, nicht weniger als die Fütterung oder das Aufstellen einer Katzentoilette.

Mythos 2: Katzenbabies werden menschenbezogener, wenn man sie einzeln adoptiert

Sind wir mal ehrlich, wer denkt bei der Anschaffung einer Katze nicht zuerst an ein süßes Katzenbaby? Auf die meisten Menschen trifft dies zu und es ist auch nicht verwerflich den niedlichen Kätzchen zu verfallen. Leider adoptieren wir dann nur meist ein einzelnes Junges, in der Hoffnung, dass dieses dann umso anhänglicher wird. Dies ist leider ein Trugschluss, schlimmer noch, denn kleine Katzen können vereinsamen und infolge dessen Verhaltensstörungen entwickeln. Es kommt vor, dass die Kitten ihre spielerischen Kämpfe, die sie eigentlich mit ihren Artgenossen üben, an dir erproben, was sehr schmerzhaft sein kann und oft als aggressives Verhalten gedeutet wird. Als Neugeborenes bleiben Katzen in der Regel bei ihrer Mutter bis sie zwischen acht und zwölf Wochen alt sind. Auch wenn sie dann weggegeben werden dürfen, ist ihre Sozialisation bis dahin noch lange nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund brauchen sie andere Katzen, mit denen sie spielen, balgen, kuscheln und sich gegenseitig putzen können. Dabei lernen sie immer noch wichtige Verhaltensweisen um glücklick und gesund aufwachsen zu können. Ein bereits ausgewachsener Artgenosse ist für ein Katzenbaby allerdings nicht unbedingt ein geeigneter Partner, weil dieser womöglich mehr Ruhe benötigt. Daher sollten die kleinen Fellraketen immer mit etwa gleichaltrigen Spielgenossen aufwachsen.

Mythos 3: Zwei Katzen machen doppelt so viel Arbeit

Es ist ein altbekanntes Problem, vor allem von Katzenhaltern die ihren Stubentigern keinen Ausgang ermöglichen können, das Mobiliar wird von den Vierbeinern zweckentfremdet, das Sofa wird zum Kratzbaum und die Papplampe von Ikea verteilt sich durch die gesamte Wohnung. Nicht selten geht etwas zu Bruch. Je mehr Zeit unsere Fellnasen an der frischen Luft jagen, klettern und herumtollen können, desto ruhiger werden sie sich zu Hause verhalten. Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass man seinen Stubentiger nicht rund um die Uhr bespaßen kann. Dennoch langweilen sich Katzen alleine, selbst wenn sie viel Zeit mit Dösen verbringen. Ein weiteres felliges Familienmitglied kann hier Abhilfe schaffen. Neben dem aktiven Zeitvertreib miteinander, fühlt sich unsere Samtpfote auch nicht mehr einsam, wenn man mal nicht da ist. Wer seinen Liebsten dann noch das Extra an Beschäftigungsmöglichkeiten bieten möchte, kann ihnen zusätzlich Spielzeug kaufen oder basteln.

Mythos 4: Meine Katze ist doch glücklich als Einzelkatze

Katzenbesitzer lernen mit der Zeit Zeichen ihrer Fellnasen zu deuten und sie zu verstehen. Leider ist die Kommunikation mit den Fellnasen dennoch nie in einer mit Menschen vergleichbaren Form möglich. Katzen teilen uns nur in wenigen Situationen mit, wenn es ihnen nicht gut geht. So zufrieden und in sich ruhend sie auch wirken mögen, können sie gleichermaßen still leiden und sich zurückziehen in ständiges Schlafen. Folgen der Unausgeglichenheit, wie aggressives Verhalten gegenüber Menschen, zeigen sich in der Regel erst später. Kontakt zu uns und anderen Tieren wie Hund oder Kaninchen ist kein Ersatz für den Kontakt zu anderen Artgenossen. Schließlich sprechen Katzen nur untereinander dieselbe Sprache. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel, so dass es auch Katzen gibt, die reine Einzelkatzen sind. Wurden sie z. B. als Kitten nicht ausreichend sozialisiert oder zu früh vom Wurf getrennt, kann dies der Fall sein. Auch bei älteren Artgenossen, die schon lange alleine gehalten werden, kann eine Vergesellschaftung schwer sein. Diese Katzen sind eventuell tatsächlich alleine zufriedener. Trotzdem kann die Vergesellschaftung einen Versuch wert sein. Schon manch eine Fellnase ist durch eine Partnerkatze urplötzlich aufgeblüht.

Mythos 5: Meine Katze versteht sich nicht mit Artgenossen

Sind eure Katzen Freigänger, habt ihr sicher schon einmal Ärger mit der Nachbarskatze beobachten dürfen. Vielleicht hast Du auch schon mal ein Desaster erlebt, als Du zwei Stubentiger zusammenführen wolltest. Daraus zu schließen, dass eine Katze generell eine Einzelkatze ist, wäre dennoch zu kurz gegriffen. Es liegt in der Natur unserer Vierbeiner, neue Katzen immer erst einmal als Eindringling zu betrachten. Das ist besonders dann der Fall, wenn sie lange alleine gehalten wurden und selbstverständlich kommt es da gerne zu Streitigkeiten. Menschen müssen sich bei anfänglichen Kindergarten- oder Schulbesuchen ja ebenfalls erst an die neue Situation gewöhnen. Da braucht man als Halter etwas Geduld und als Katze etwas Zeit. Nach guten zwölf Wochen kannst du ein erstes Resümee darüber ziehen, ob deine Fellnasen miteinander harmonieren oder eher nicht. Wie man katzen richtig vergesellschaftet könnt ihr hier ... /* hier kommt ein Link rein */. Oberstes Gebot ist hier den Fellnasen auch die Möglichkeit zu bieten sich ausweichen zu können. Als Faustregel gilt, pro Katze mindestens ein Zimmer, je mehr desto besser.

Auch wenn Du alles richtig gemacht hast, die Voraussetzungen der Zusammenführung alle erfüllt wurden und es bisher trotzdem noch nicht mit einer Vergesellschaftung funktioniert hat, heißt das nicht, dass deine Katze deshalb alleine glücklicher ist. Denn natürlich hängt das auch damit zusammen, wen Du Dir als potentielle(n) Partner für deine Katze ausgesucht hast. Faktoren wie Geschlecht, Dominanzverhalten, aufgedrehter oder ruhiger Charakter beeinflussen die Sympathie unter den Mietzen entscheidend.

Fazit

Falls du mit dem Gedanken spielst dir in naher Zukunft Vierbeiner ins Haus zu holen, aber noch unschlüssig bist ob einen oder gleich mehrere, wirf doch einen Blick auf unsere Pro und Contra Liste, in der wir die wichtigsten Punkte noch einmal kurz zusammengefasst haben.


ProContra
Förderung der sozialen EntwicklungRevierkämpfe bleiben aus
Spenden sozialen Haltsgeringere Kosten
Beschäftigungsmöglichkeit (auch bei Abwesenheit)(vermeintlich) weniger Schmutz

Abschließend kann man sagen, dass sich die Anschaffung mehrerer Katzen meist als die bessere Option darstellt, jedoch muss die Entscheidung letztendlich individuell und nach guter Überlegung getroffen werden und wir hoffen euch diese Entscheidung hiermit vielleicht ein wenig leichter gemacht zu haben.

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